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„Die Zukunft liegt in einer datenbasierten Zusammenarbeit“

Die Marktentwicklung im stationären Modehandel bleibt auch im Juni schwierig. Potenzial sieht Frank Ganzasch von h+p vor allem durch die Optimierung von Prozessen.

Veröffentlicht am 19.06.2026

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Textilwirtschaft: „Die Zukunft liegt in einer datenbasierten Zusammenarbeit aller Marktpartner“

TextilWirtschaft: Das erste Halbjahr neigt sich dem Ende entgegen. Wie bewerten Sie die ersten fünf Monate des Jahres?

Frank Ganzasch: Die ersten fünf Monate waren für den Modehandel insgesamt enttäuschend. Das Konsumklima bleibt sehr schwach und die Rahmenbedingungen anspruchsvoll. Entsprechend sehen wir per Mai aktuell im HIT-Kreis in keinem umsatzrelevanten Sortimentsbereich eine positive Entwicklung gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt liegen die Bekleidungssortimente 5,3% unter dem Vorjahr. Die DOB verzeichnet ein Minus von 4,4%, die HAKA liegt mit einem Rückgang von 6,0% noch darunter. Damit setzt sich die bereits seit über zwölf Monaten zu beobachtende Entwicklung fort, wonach sich die HAKA schwächer entwickelt als die DOB. Auch zum Vorvorjahr ist die Entwicklung negativ.

Wie hat Ihr Händlerkreis den Mai umsatzmäßig abgeschlossen?

Der Mai verlief in unserem Händlerkreis weiterhin deutlich unter Vorjahr. In der DOB betrug das Umsatzminus 6,0%, in der HAKA lag der Rückgang bei 9,1%.

Wie haben sich LUG, Ertrag, Abschriftenquote, Conversion Rate, usw. entwickelt?

Auch die LUG ist um 6% gesunken. Dennoch gibt es bei der LUG nicht nur negative Entwicklungen: Der Systemeinsatz für das optimierte Merchandise Management spiegelt sich in der LUG-Verbesserung und geringeren Kapitalbindung wider. Der Nettorohertrag wurde um 6,9% geschmälert. Die Conversion Rate blieb annähernd auf Vorjahresniveau. Positiv zu bewerten ist, dass sich die Abschriften und der Rotpreisanteil leicht reduziert haben. Das deutet auf ein insgesamt disziplinierteres Bestands- und Preismanagement, trotz anspruchsvoller Marktlage hin.

Wie haben sich die einzelnen Sortimente entwickelt?

Betrachtet man ausschließlich den Monat Mai, gab es in der DOB nur wenige positive Ausnahmen. Bermudas schnitten mit einem Umsatzplus von 12,2% erfreulich ab, gefolgt von Sweatshirts mit einem Zuwachs von 6,4%. Überraschend schwach verlief dagegen das Geschäft mit T-Shirts, die 12,4% unter dem Vorjahresniveau lagen. Auch Jacken und Kleider konnten die Vorjahreswerte nicht erreichen.

Wie war die Entwicklung in der HAKA?

In der HAKA gehörten Pullover mit einem Umsatzplus von 18,5% zu den stärksten Warengruppen des Monats. Ebenfalls positiv präsentierten sich Bermudas mit einem Plus von 11,5%. Demgegenüber standen deutliche Umsatzrückgänge bei Sweatshirts und Sweatjacken. Auch Sakkos waren im Mai spürbar weniger gefragt als im Vorjahr. Auffällig ist, dass vor allem sommerliche Produktgruppen profitierten, während klassische Frequenzbringer in beiden Bereichen hinter den Vorjahresergebnissen zurückblieben. Es gilt den angestammten Sortiments-Mix zu hinterfragen: Welche Umsatz-/Flächenanteile fordert das Kaufverhalten auch über die angestammten Sortimentsbereiche hinaus? Hier gilt es eine „interne Revision“ durchzuführen.

Zurück zum aktuellen Geschäft. Wie war der Start in den Juni?

Die erste Juniwoche startete positiv und lag 1,8% über dem Vorjahr. Gleichzeitig stieg auch der Stückumsatz um 1,4%. Das gelang trotz einer leicht rückläufigen Frequenz von minus 0,4%. Die 24. Woche profitierte von einem zusätzlichen Verkaufstag gegenüber dem Vorjahr, da der Pfingstmontag 2025 in diese Kalenderwoche fiel. Entsprechend schloss die Woche mit einem deutlichen Umsatzplus von 11,1% im Vergleich zum Vorjahr ab. Parallel dazu entwickelte sich auch die Kundenfrequenz positiv und lag mit einem Zuwachs von 11,9% ebenfalls klar über dem Vorjahresniveau. Das Umsatzplus ist durch die Feiertagsverschiebung allerdings deutlich zu relativieren und reiht sich in der Bewertung eher in die Umsatzentwicklungen der Vorwochen ein.

Krisen sind auch immer Auslöser für Innovationen. Inwieweit beobachten Sie das aktuell in der Modebranche?

Der Druck, Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen, ist derzeit zweifellos hoch. Viele Händler stehen unter erheblichem Ergebnisdruck und hinterfragen etablierte Prozesse deutlich konsequenter als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig müssen bestehende Geschäftsmodelle vor dem Hintergrund rückläufiger Umsätze auf ihre langfristige Tragfähigkeit überprüft werden. Dabei geht es häufig weniger um spektakuläre Innovationen als vielmehr um die konsequente Erschließung von Ertragspotenzialen.

Um welche Fragen geht es besonders?

Im Fokus stehen insbesondere eine datenbasierte Sortimentssteuerung sowie KI-gestützte Planungs- und Steuerungsprozesse. Die Branche beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Entscheidungen schneller, präziser und wirtschaftlich erfolgreicher getroffen werden können. Wir beobachten eine sehr hohe Nachfrage nach Lösungen, die genau an diesen Punkten ansetzen. Entsprechend unterstützen wir unsere Kunden aktuell intensiv mit unserer Planungslösung sowie bei der KI-basierten Nachsteuerung von Sortimenten und Beständen.

In welchen Bereichen tut sich derzeit am meisten?

Die größte Dynamik sehen wir derzeit in den Bereichen Daten, KI und Prozessautomatisierung. Viele Unternehmen investieren in Systeme, die fundiertere Prognosen ermöglichen und operative Entscheidungen gezielt unterstützen. Gleichzeitig beobachten wir eine deutlich intensivere Vernetzung zwischen Handel und Industrie. Beide Seiten haben erkannt, dass sich zentrale Herausforderungen wie Bestandsrisiken, Warenverfügbarkeit oder Sortimentsproduktivität nur gemeinschaftlich bewältigen lassen.

Kollaborative Systeme und gemeinsame Plan-Ist-Abgleiche gewinnen daher zunehmend an Bedeutung, da sie Transparenz schaffen und eine engere Abstimmung entlang der gesamten Wertschöpfungskette ermöglichen. Die Zukunft liegt aus unserer Sicht nicht allein in besseren Einzelentscheidungen, sondern in einer intelligenten, datenbasierten Zusammenarbeit zwischen allen Marktpartnern.

Wo sehen Sie Potenzial für den stationären Modehandel?

Trotz der aktuell schwierigen Marktlage sehen wir weiterhin erhebliches Potenzial für den stationären Modehandel. Entscheidend wird sein, die eigenen Stärken konsequent auszubauen. Dazu gehören insbesondere persönliche Beratung, lokale Relevanz und die Fähigkeit, Kunden ein inspirierendes Einkaufserlebnis zu bieten. Darüber hinaus sehen wir Chancen in einer engeren Zusammenarbeit zwischen Handel und Industrie. Gemeinsame Planung, höhere Transparenz entlang der Lieferkette und kollaborative Steuerungsmodelle können dazu beitragen, Bestände zu reduzieren, Risiken zu minimieren und die Warenversorgung stärker an der tatsächlichen Nachfrage auszurichten.

Der stationäre Handel wird auch künftig seine Berechtigung haben. Erfolgreich werden jedoch vor allem die Unternehmen sein, die Kundennähe mit operativer Exzellenz und datengetriebener Steuerung verbinden.

TextilWirtschaft, Aziza Freutel: H+P-Analyse: „Die Zukunft liegt in einer datenbasierten Zusammenarbeit aller Marktpartner“ (Dienstag, 16. Juni 2026)

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