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Der Jahreswechsel hat bezüglich der Modenachfrage keine Trendwende gebracht. Ein Gespräch mit Ole Schartl, Partner bei h+p, über die aktuellen Topseller, die Umsatzentwicklung in den ersten Januar-Tagen und welche Potenziale es dennoch gibt.
Veröffentlicht am 16.01.2026

Der Jahreswechsel hat bezüglich der Modenachfrage keine Trendwende gebracht. Ein Gespräch mit Ole Schartl, Partner bei h + p, über die aktuellen Topseller, die Umsatzentwicklung in den ersten Januar-Tagen und welche Potenziale es dennoch gibt.
TextilWirtschaft: Frostige Temperaturen und Schneefall – gute Voraussetzungen für den Modemarkt zum Start ins neue Jahr?
Ole Schartl: Die Umsatzergebnisse der ersten Woche im Jahr zeigen, dass das Wetter leider kein Umsatzpush war. Vor allem der deutschlandweit verschneite Samstag hat das Ergebnis zum Start ins Jahr negativ beeinflusst.
Wie haben sich die Umsätze zu Jahresbeginn entwickelt?
Die erste Kalenderwoche schloss in unserem HIT-Kreis mit einem Umsatzminus von 3% zum Vorjahr ab. Der Samstag lag in der Woche bei einem Minus von 17% zum Vorjahr und war somit der größte Faktor für das negative Wochenergebnis. Die zweite Woche erzielte ein deutlich schlechteres Umsatzergebnis mit minus 9,3%. Auch in dieser Woche hat der Samstag (minus 27,9% zu 2025) einen Ausschlag für die Wochen-Entwicklung gegeben.
Was fragen die Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt nach und inwieweit spielt dabei schon neue Ware eine Rolle?
Zu Jahresbeginn wurden in der DOB vor allem Jacken stark nachgefragt (plus 10,8% zum Vorjahr). Ansonsten fielen die Sortimente in der DOB pari oder negativ zum Vorjahr aus. Bei den Herren konnten vor allem Jacken und Pullover profitieren. Entsprechend der Top-Sortimente fielen auch die Umsatzanteile der Saisons aus: Die Umsätze mit Winterware haben sich in der ersten Woche des Jahres in der Womenswear um 1,5 Prozentpunkte erhöht im Vergleich zum Vorjahr. Die HAKA lag mit Winterware ebenfalls bei einem Plus von 0,8 Prozentpunkten zum Vorjahr. Die Sommerware hat entsprechend eingebüßt, es wird also vor allem noch Ware nachgefragt, die zur Wettersaison passt.
Wie haben sich die Umsätze in Ihrem Panel 2025 entwickelt?
Aufgelaufen liegen wir 2025 bei einem Umsatzminus von 2,6% zum Vorjahr. Der Stückumsatz lag mit einem Umsatzminus von 2,9% zum Vorjahr noch niedriger. Die HAKA war mit minus 3,4% zum Vorjahr deutlich schwächer in der Umsatzentwicklung als die DOB mit minus 1,4%.
Welche Entwicklungen weisen die anderen Kennzahlen auf?
Der Nettorohertrag verlor 2% zum Vorjahr und war damit leicht besser als die Umsatzentwicklung. Das liegt unter anderem daran, dass die Abschriften erfreulicherweise um 0,3 Prozentpunkte gesunken sind. Die LUG fiel leicht rückläufig aus mit minus 0,1 Punkten. Die durchschnittlichen Ausgaben je Kunde haben sich im CRM-Benchmark unseres Kunden-Analyse-Portals um 0,4% reduziert.
Welche Waren- und Stilgruppen haben gut performt, welche gehörten eher zu den Schlusslichtern im Markt?
Das Top-Sortiment der Damen waren 2025 die Jeans mit einem aufgelaufenen Umsatzplus von 13%. Es folgten die Röcke (plus 9,4% mit einem geringeren Umsatzanteil) und die Jacken (plus 8,4% zu 2024). Die klaren Verlierer waren 2025 die Mäntel (minus 22,7%) und die Kleider (minus 21,8%). In der DOB hat die Stilgruppe Modern Woman Mainstream mit plus 1,8% die beste Umsatzentwicklung zum Vorjahr, gefolgt von der Modern Classic Premium mit plus 1,2%. Die schwächste Umsatzentwicklung der relevanten Stilgruppen erzielte Classic Mainstream (minus 6,6%).
Wie sah es bei der HAKA aus?
In der Herrenbekleidung sieht das Bild insgesamt etwas getrübter aus. Lediglich die Strickwaren mit Strickjacken und Pullovern konnten ein Umsatzplus von plus 2,1% verzeichnen. Es folgten die Baukasten-Sakkos mit einem leichten Plus von 0,5% zum Vorjahr. Alle anderen Sortimente entwickelten sich 2025 negativ. Die größten Verlierer, mit nennenswertem Umsatzanteil, waren die Sakkos (minus 14,2%) und die Sweatshirts (minus 13,6%). In der HAKA erreichte keine Stilgruppe eine positive Umsatzentwicklung in der aufgelaufenen Betrachtung. Am besten schloss die Modern Man Premium mit einem Umsatzminus von 0,9% zum Vorjahr ab. Das Schlusslicht stellt die Classic Premium mit einem Minus von 10,8% zum Vorjahr dar.
Wie nehmen Sie die Stimmung in der Branche aktuell wahr?
Aktuell ist die Stimmung sowohl bei Händlern als auch bei Herstellern angespannt. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erschweren die Hoffnung auf eine kurzfristige Trendwende im Konsumverhalten erheblich. Dennoch gibt es zahlreiche Potenziale, um diese herausfordernde Phase aktiv zu nutzen und gestärkt daraus hervorzugehen.
Was nehmen Sie an Themen für die Branche aus 2025 mit?
Für die Branche war 2025 vor allem ein Jahr, das die Notwendigkeit zum aktiven Handeln deutlich gemacht hat. Ein Abwarten auf Konsumveränderung reicht nicht mehr aus. Da der Umsatz aktuell nur begrenzt beeinflussbar ist, rückt eine konsequente Überprüfung und Anpassung des Kostenapparats in den Fokus. Effizienz, klare Priorisierungen und eine realistische Einschätzung der eigenen Strukturen werden damit zu entscheidenden Stellhebeln, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Handlungsspielräume für die Zukunft zu schaffen.
Was sind die drängendsten Themen und Herausforderungen 2026?
Effizienz, Effizienz, Effizienz. In allen Bereichen muss das Geschäftsmodell darauf getrimmt werden. Dabei kann KI ein hilfreicher Faktor sein. Vor notwendiger Effizienz darf aber nicht der emotionale Touch in Sortimenten, Wareninszenierung und Servicequalität verloren gehen. In Summe eine große Herausforderung.
Was stimmt Sie optimistisch für die kommenden zwölf Monate?
Optimistisch stimmt, dass Unternehmen heute auf eine Vielzahl von Tools zurückgreifen können, die gezielt an den entscheidenden Schlüsselstellen unterstützen und fundiertere Entscheidungen ermöglichen. Gleichzeitig bietet die aktuelle Situation die Chance, bestehende Prozesse kritisch zu hinterfragen und neu aufzusetzen. Effizientere Abläufe wirken sich dabei unmittelbar auf die Profitabilität aus und schaffen nachhaltige Stabilität. Zudem zeigt sich, dass diejenigen Marktteilnehmer, die diese Phase überstehen, dies aus gutem Grund tun: Sie verfügen über eine klare Positionierung und sichern ihre Rolle im Markt langfristig ab.
TextilWirtschaft, Aziza Freutel: H+P-Analyse: "Ein Abwarten auf Konsumveränderung reicht nicht mehr aus" (Mittwoch, 14. Januar 2026)
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