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BTE-Magazin: Wann wird aus Minus Plus

In der DOB haben weite Silhouetten die Hosenumsätze beflügelt. Die HAKA ist noch nicht so weit. Laut h+p-Datenpanel ist das per Ende Mai aufgelaufene Umsatzergebnis im Herrenhosen-Sortiment durchweg negativ ausgefallen.

Veröffentlicht am 07.07.2025

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Laut h + p-Datenpanel ist das per Ende Mai aufgelaufene Umsatzergebnis im Herrenhosen-Sortiment durchweg negativ ausgefallen. „Am besten haben sich Herrenjeans mit minus 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr behauptet“, berichtet Mirko Torbrügge, Head of Sales & Marketing bei hachmeister + partner. Minus 16,9 Prozent lautet der ermittelte Wert bei den Bermudas, minus 6,2 Prozent bei den Kombihosen und minus 2,1 Prozent bei den Freizeithosen. „Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zu den Entwicklungen bei den Damenhosen, die das Gewinnersegment der letzten Monate darstellten“, so Torbrügge, der weitere Erkenntnisse aus den Auswertungen parat hat: „Nach wie vor bleibt der Regular Fit die beliebteste Schnittführung in der HAKA. Bei den vertikalen Marktteilnehmern werden aber inzwischen auch in der HAKA zunehmend Loose Fits verkauft. Erdige Töne wie Beige und Khaki waren in der ersten Jahreshälfte farblich besonders beliebt. Im Denim-Bereich werden die abverkaufsstarken Waschungen heller.“

Die Entwicklungen sind konform zu dem, was man auch bei Reischmann mit Stammsitz in Ravensburg erlebt. „Der Verkauf ist insgesamt gerade sehr volatil, es geht auf und ab. Wetterbedingt sind kurze Hosen erst sehr spät nachgefragt worden, ebenso Leinenartikel und generell leichte Ware. Dabei hatten wir genau die Produkte stark gewichtet, mit der Überzeugung, dass die Sommer immer früher beginnen und heißer werden. Jeans sind die Warengruppe mit der besten Performance, insgesamt verzeichnen wir bei Herrenhosen ein kleines einstelliges Minus“, bilanziert Alexander Tsakalidis.

Welche Marken waren besonders erfolgreich? „Brax läuft super, die Marke kennt ihre Zielgruppe, das Team macht einen tollen Job“, lobt der Category Manager von Reischmann und hat auch die Neuaufnahme von MAC nicht bereut. Sehr erfolgreich schneide PME Legend ab, obwohl „nur“ mit Shopfläche und nicht in der Stammabteilung vertreten. Ebenso Drykorn. Freude bereite zudem 40Weft (gewaschene Chinos). An Kraft verliere jedoch Alberto. „Die Marke ist unser Top-2-Lieferant und daher strategisch wichtig. Wir haben über Jahre hinweg sehr gute Umsätze mit der Brand erzielt, die jetzige Schwäche tut weh. Es sind zu viele Wiederholer im Sortiment, Produkterneuerungen wären wichtig, damit die Stammabteilung wieder spannend wird“, hofft Alexander Tsakalidis auf den Turnaround. Auch innerhalb des h + p-Datenpanels gehören Brax, PME Legend, MAC und Alberto zu den umsatzstärksten Marken. „Als Aufsteiger sind Marc O’Polo Casual und Boss mit einer positiv zweistelligen Umsatzentwicklung in den letzten zwölf Monaten festzuhalten“, bemerkt Mirko Torbrügge.

In der ’Hosen Sacco Etage‘ in Wuppertal performt Alberto sehr gut, teilt Josef Kurka mit, der das Geschäft gemeinsam mit seiner Frau Claudia Wirtz-Kurka führt. Er ist generell zufrieden mit der Saison, das Segment Herrenhosen bewege sich bei ihnen insgesamt auf Vorjahresniveau. Positiv hebt er ’g1920‘ heraus, die Premiummarke von Gardeur, außerdem Club of Comfort im klassischen Bereich sowie „die coolen hochwertigen Jeans von Five Fellas aus Candiani Denim“. Chinos und Co., „normale Hosen für normale Männer“, gehen am häufigsten über die Ladentheke, bei „klassischen Tuch- und Baumwollhosen bricht aus Altersgründen die Zielgruppe weg. Die modisch weiten Hosen
haben wir alle verkauft, aber wir hatten sie auch nur vorsichtig geordert. Zur neuen Saison werden wir mutiger in Bezug auf die weite Silhouette“, kündigt Josef Kurka an, der in der Orderrunde insgesamt aber „aufs Geld achten“ will. „Wir sind extrem zufrieden, haben eine tolle Saison“ – die positivste Stimme kommt aus Minden, von Petra Hinz, Einkaufsleitung bei Hagemeyer. Dabei hat man nicht spektakulär agiert, es sind die Basics, die nachgefragt werden und helle Farben wie Beige und Schilf. „Brax und MAC sind starke Partner, beide Marken laufen sensationell gut. Sie haben ein professionelles In-Season-Management, reagieren schnell und sind stets nachlieferfähig.“ Die Trendentscheidungen zur neuen Saison haben Petra Hinz und ihr Team noch nicht abschließend getroffen. „Wir besprechen uns noch mit Trendscout Kai Jäckel.“ Fest steht aber: „Wir werden uns an die weiteren Beinformen herantrauen, denn der Kunde wird allmählich offener dafür. Chancen sehe ich außerdem in Leinenmischungen, leichten Mikrofaserqualitäten, weiterhin den Naturnuancen, aber auch den neuen gebrannten Tönen.“

Alexander Tsakalidis will das Marken- bzw.- Lieferantenportfolio bei Reischmann zum kommenden Frühjahr / Sommer breiter aufstellen – g1920 zum Beispiel kommt hinzu. Dasselbe gilt für das Spektrum an Qualitäten, „um je nach Wetterlage besser gewappnet zu sein“. Auch Tsakalidis ist optimistisch, dass sich „die Hose mehr über die Mode entwickeln wird. Wir werden auf Hosen mit leichten Bundfalten setzen, oben luftiger, aber mit Blick auf unsere Zielgruppe im Beinverlauf nicht zu weit“.

Mirko Torbrügge macht abschließend aufmerksam: „Es wird auf die richtige Balance zwischen NOS, Seasonal-NOS und Trends ankommen. NOS-Programme sollten durch gut kuratierte Trend-Styles ergänzt werden. Der derzeitige Denim-Hype sollte mit einer guten Auswahl bedient werden. Gleichzeitig gilt es, eine aktive SKU-Steuerung vorzunehmen“, unterstreicht Mirko Torbrügge (Anm. d. Red.: SKU ist die Stock Keeping Unit, deutsch Lagerartikelnummer). Der h + p-Experte ergänzt: „In unseren Replenishment-Projekten und anhand unseres Tools sehen wir, dass viele SKUs häufig mit zu viel Bestand eingekauft werden, was sich negativ auf die Kennzahlen auswirkt.“

BTE marketing berater, Stefanie Hütz: Wann wird aus Minus Plus (Ausgabe Juli 2025, S. 26)

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